RME schreibt weiter …

Hervorgehoben

RME lautete mehr als 30 Jahre lang mein Kürzel als Nachrichtenredakteur. Seit Anfang 2025 pensioniert, arbeite ich, Robert Mitscha-Eibl, nicht mehr „nine to five“, sondern (als) freier. Und ich schreibe weiter Artikel, Kommentare, Kulturkritiken, Reiseberichte, Adventmails. Über Themen, die mich (und vielleicht auch dich) interessieren. Weil mich das geistig rege hält, es mir Spaß macht und ich mich gerne mit Freund:innen über Gott und die Welt austausche. Und auch, weil das hier etwas ist, mit dem ich mich bei meinen Nachkommen in Erinnerung halten möchte.

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RME liest ...
RME liest: Buchkritiken v.a. Belletristik, aber auch Fachliteratur, Graphic Novels …
Robert schreibt ...
RME schreibt: Artikel aus näherer Vergangen-heit, Kommentare …
FILM. Robert sieht ...
RME sieht: Filme, z.B. mit meiner Kinorunde, vereinzelt auch Gestreamtes …
MUSIK. Robert hört ...
RME hört: Favoriten und Entdeckungen im weiten Feld der Musik, Konzertbesuche …
AUSSTELLUNG. Robert besucht ...
RME besucht: Aus-stellungen, Theater, Events …
KOMPASS. Fobert fährt nach ...
RME fährt nach: Reiseberichte über Ausflüge/Urlaub …
ADVENT. Robert adventmailt ...
RME adventmailt: gesammelte Adventmails, die ich seit 2003 alljährlich versende …
TERMINE. Robert kündigt an ...
RME kündigt an: Termine/Events, bei denen ich über Begleitung froh wäre …
MEIN LEBEN. Robert biographiert: Erzählenswertes aus meinem Leben
RME biographiert: Erzählenswertes aus meinem Leben

Daniel Kehlmann, „Lichtspiel“, Rowohlt 2023 *****

Daniel Kehlmann, „Lichtspiel“, Rowohlt 2023
Filmkunst unter der Knute des NS-Regimes – (wie) kann das gelingen, ohne sich verbiegen und in Dienst nehmen zu lassen? Eigentlich gar nicht, lautet die Antwort von Daniel Kehlmann in seinem bisher jüngsten Roman über den österreichischen Regisseur G. W. Pabst, der mit Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und Ernst Lubitsch zu den Großen der Weimarer Republik zählte. In lose miteinander verbundenen „Filmszenen“ schildert Kehlmann anspielungsreich (ich musste öfter mal Wikipedia zu Greta Garbo, Louise Brooks, Leni Riefenstahl oder den Literaten im Pariser und US-Exil befragen) das künstlerische Schicksal eine offenbar begnadeten Filmschaffenden, der Stummfilmklassiker wie „Die freudlose Gasse“ (1925) oder „Die Büchse der Pandora“ (1929) schuf.
Als „roter Pabst“ vor dem aufkommenden Nationalsozialismus geflohen, muss er feststellen, dass in Hollywood sein früherer Ruhm nicht mehr zählt. Seiner alten Mutter zuliebe kehrt er mit Frau und Sohn zurück in die zur Ostmark gewordenen Heimat, dann werden die Grenzen wegen des ausgebrochenen Weltkriegs geschlossen – und Pabst, seine Frau Gertrude und der bald NS-infizierte Sohn Jakob müssen mit den neuen Gegebenheiten zurechtkommen. Und der Heimkehrer wird instrumentalisiert von Goebbels und seiner Propagandamaschinerie. Unter diesen Umständen Bleibendes zu schaffen, scheitert – exemplarisch dargestellt am verschollenen letzten NS-Filmprojekt und vermeintlichen Meisterwerk Pabsts, „Der Fall Molander“, der auf dem Roman eines Naziautors basiert. Es zeigt sich, dass die Ideologie auch die Beziehungen vergiftet – jene zwischen Regisseur, Ehefrau und Sohn – und (wie gerade aktuell spürbar) das Dunkelste der menschlichen Seele zutage fördert.
Kehlmann zeigt das überzeugend durch wechselnde Perspektiven, geschliffene Dialoge, entlarvende Gesten. Und manchmal, als sich z.B. der schon demente ehemalige Regieassistent Pabsts zu Gast in der mir aus Kindertagen bekannten „Guten Abend am Samstag“-Show von Heinz Conrads in Erinnerungen verliert, wird’s auch humorvoll.
Ich las von Kehlmann bisher nur seinen Weltbestseller „Die Vermessung der Welt“. „Lichtspiel“ macht Lust auf weiteres…

„Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“ (Edgar Reitz, D 2025) *****

Anfang des 18. Jahrhunderts gibt die hochgebildete preußische Königin Sophie Charlotte ein Porträt des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz in Auftrag, der einst ihr bewunderter Lehrer war. Ein Erstversuch mit dem geckenhaft eitlen, konventionellen Hofmaler Delalandre (Lars Eidinger) scheitert. Stattdessen kommt die Niederländerin Aaltje van de Meer (Aenne Schwarz) zum Zug, die sich im misogynen Umfeld der hohen Kunst zunächst als Mann ausgibt. Ihr „Outing“ verhindert nicht ausgiebiges Philosophieren mit dem Universalgelehrten Leibniz (Edgar Selge), der mir Schmalspurtheologen bisher vor allem für seine Theodizee und die These von der von Gott erschaffenen „besten aller Welten“ bekannt war.
Der nunmehr 93 Jahre alte Regisseur Edgar Reitz entwirft rund um diesen fiktiven Porträtauftrag ein intellektuell reizvolles Kammerspiel mit nur wenigen Agierenden und Gesprächen über Kunst, Liebe und Wahrheit (die man gerne ein zweites Mal hören würde). Es geht um Fragen wie: Hält Malerei nur einen kurzen Moment fest oder spiegelt sich darin auch Zeit? Ist das/der Abgebildete überhaupt in seinem Wesen zu erfassen? Und mehr noch um Theologisches: Was ist die Seele? Hat Gott nicht eine äußerst mangelhafte Welt erschaffen? Ist das Böse nicht die Voraussetzung von Entscheidung dafür oder dagegen und damit von Freiheit?
Meine Hochachtung vor dem in vielen Dingen so bewanderten Philosophen aus Leipzig bzw. Hannover stieg durch diesen „reitz-vollen“ Film enorm. Er erfand nicht nur eine komplexe Rechenmaschine, sondern u.a. auch eine horizontale Windmühle, kümmerte sich um praktische Verbesserungen im Bergbau und nahm in seinen Überlegungen den Internationalen Gerichtshof und in seiner Monadenlehre auch das Prinzip der Computerprogrammierung vorweg. Reitz hoffte, dass sich das Publikum „mit der Glückseligkeit anstecken lasse“, die Königin Sophie Charlotte im Umgang mit Leibniz empfindet. Weitgehend gelungen, würde ich sagen.
„Leibniz“ nimmt sich die Freiheit der philosophischen Spekulation heraus, lobt auch der deutsche „Filmdienst“ – „der spröden filmischen Form zum Trotz dominiert der intellektuelle Spieltrieb“. Und das dem Thema angemessen auch durchaus ästhetisch ansprechend: Die Kamerabilder im düsteren Atelier greifen die Bildsprache eines Caravaggio, Vermeer und Rembrandt auf, die zur Zeit von Leibniz in höchster Blüte stand.

„Avatar: Fire and Ash“ (James Cameron, US 2025) ***

More of the same, Part 3: James Cameron wiederholt seine 2009 gestartete Avatar-Filmreihe zum dritten Mal. Wieder mit phantasievollen, kreativen Designstücken aus der Gegenwelt Pandora, irgendwo in den Fernen des Weltalls. Wobei: „Gegenwelt“ stimmt so nicht, denn die Themen sind dieselben wie auf der guten alten Erde. Rücksichtslose Profitmacher und Militärs beuten den idyllischen Planeten aus, in dem die brutal gejagten Wale sprechen können, Felsbrocken schwerelos in der Luft schweben und blauhäutige Indianer, die hier „Na’vi“ heißen, auf Drachen reiten. Diesmal kommen zu den bööösen Bleichgesichtern von der Erde auch noch indigene Schurken dazu – das Asche-Volk Mangkwan, das mit den menschlichen Eroberern gemeinsame Sache macht. Oberbösewicht ist wie schon in Teil 1 und 2 Col. Miles Quaritch, der wie der davor querschnittgelähmte Hauptheld Jake Sully als Avatar in einem Na’vi-Körper lebt. Und ich nehm’s vorweg: In Teil 4, angekündigt für 2029, wird Quaritch nicht mehr sein Unwesen treiben.

Gefühlte zwei Stunden des insgesamt dreieinviertel Stunden dauernden Dramas sind (Überlebens-)Kampf. Und gegen die gefinkelten Waffen der Menschen und die mit Schnellfeuergewehren aufgerüsteten Mangkwan sieht es für die mit Pfeilen und Speeren agierenden Na’vi nicht wirklich gut aus – bis, ja bis sich die Naturmuttergöttin Eywa endlich dazu bequemt, hilfreich einzuschreiten und alle Widersacher in einen Sog nach oben … aber seht selbst.

Oder nein. Als sehenswert kann ich das 3D-Epos nicht guten Gewissens empfehlen. Dazu ist der Teil 3 den beiden vorangegangenen zu ähnlich. Und die holzschnittartigen Dialoge bieten sogar Anlass zu Ironie. „Das ist eine Familie. Das ist keine Demokratie“, sagt der ökobekehrte Ex-Marine Sully beim Mäuseraufstand seiner Nachkommen.

Wetten, dass die davongekommene Mangkwan-Häuptlingsfrau Varang im 4. Teil prominent vorkommt? Dann aber wohl ohne mich und meine jungen Kinobegleiter:innen, denen ich Avatar 3 zu Weihnachten schenkte. Was beim ersten Teil noch eine visionär erscheinende Neudefinition der 3D-Technologie als Hilfsmittel für traumartige Szenarien war, wirkt 16 Jahre später in die Jahre gekommen. Die Haltbarkeit von Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Trilogie übertrifft Camerons Serie bei weitem.

„In die Sonne schauen“ (Mascha Schilinski, D 2025) ****

Ein deutscher Auslands-Oscar-Kandidat, der bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde – das klingt doch bestens, um das Kinojahr womöglich sogar mit dem Filmhighlight des Jahres ausklingen zu lassen, dachte ich, als ich am vorletzten Tag des Jahres bei eisigen Temperaturen ins DeFrance radelte. Das 149-Minuten-Drama von Mascha Schilinski beschreibt mit Zeitsprüngen und Schicksalsparallelen einen Erinnerungsstrom aus dem Leben von vier Mädchen über einen Zeitraum von circa 100 Jahren auf einem Bauernhof in der ehemaligen DDR. Die Szenen im ungewohnten 4:3-Bildformat dazu zeigen die siebenjährige Alma in den 1910er Jahren, die Teenager Erika den 1940er-Jahren und Angelika im Staatskommunismus der 1980er-Jahre bis hin zu Lenka und ihrer kleinen Schwester in der Gegenwart.

„Der erste Impuls war eigentlich der Hof, auf dem wir gedreht haben“, erzählt Regisseurin Schilinski über die Idee zum Film. „Gemeinsam mit […Drehbuchautorin, Anm.] Louise Peter saß ich auf diesem Hof, wir haben eigentlich beide jeweils andere Sachen geschrieben. Aber dieser Hof hat geatmet. Wenn wir durch die Räume gegangen sind, haben wir die Jahrhunderte gespürt.“

„In scheinbar alltäglichen, geradezu rhapsodischen Momentaufnahmen und Stimmungsbildern lässt ‚In die Sonne schauen‘ die Zeitebenen der Mädchen ineinanderfließen und ihre Erlebnisse miteinander sprechen. Darin wirkt der Film oftmals wie ein wundersames, eigensinniges Kinogedicht in freiem Versmaß, das sich einer eindeutig vorwärtsschreitenden Narration selbstbestimmt entzieht.“ So heißt es in der euphorischen Kritik des „Filmdienst“. Nun, mir wurden die oft rätselhaften zwei Stunden im Kinosaal nicht lang, aber ich vermisste doch Stringenz statt assoziatives „freies Versmaß“, bei dem Zeiten und Personen fast ineinanderfließen. Immer wieder starke Bilder von Landleben, Gewalt, Sexualität, Familienkorsetts und Todessehnsucht. Nicht ganz meines, aber interessant und eigenwillig kreativ allemal.

„Ein weirder, also ein in jeder Hinsicht des Wortes merk-würdiger Film“, heißt es im „Perlentaucher“. Und: „Man weiß danach nicht, was man sich wünscht: ob er Solitär bleiben oder doch lieber Schule machen soll.“ Vielleicht nochmals (mehrmals?) anschauen?

Wanderung Lobau bis heim, 29.12.2025

Ich nehme mir vor, bis zu meinem Camino-Projekt im April regelmäßig wandern zu gehen, um für die rund 250 km von Porto nach Santiago de Compostela gut gerüstet zu sein. Zwischen Weihnachten und Neujahr galt es das herrliche Wetter zu nutzen, Claudia und ich fuhren nach langem wieder mal für einen Rundgang in die Lobau. Gegen Ende kam mir die Idee, zu Fuß nach Hause zu gehen, zu einem guten Teil entlang meiner Laufstrecken am Mühlwasser, an der Donau und ab dem Knoten Kaisermühlen die Alte Donau entlang. Es wurden knapp 18.000 Schritte, ich – gerade erst von einer Verkühlung genesen – kam ziemlich müde an.

1.) Vielleicht hat ja jemand Lust, mich bei meinem Trainingsprogramm zu unterstützen und mit mir Stadtwanderwege, Wienspaziergänge und Wanderungen im Umland zu machen?

2.) Und hat jemand von euch Erfahrungen mit dem Camino Portugues? Über Tipps wäre ich dankbar.

„Der Krieg der Knöpfe“, Volksoper, 28.12.2025 ****

Ein „Musiktheater-Abenteuer für die ganze Familie“, das ist doch etwas, das ich meine n drei Enkeln zu Weihnachten als gemeinsame Unternehmung schenken könnte – noch dazu mit einem Stoff, den ich noch von dem berühmten Film „La Guerre des Boutons“ von Yves Robert aus dem Jahr 1962 kannte. Und die Vorlage ist noch bedeutend älter, nämlich der gleichnamige Roman von Louis Pergaud aus dem Jahr 1912. 113 Jahre später die musikalische Bühnenversion des seit Generationen lodernden Konflikts zwischen zwei kleinen französischen Dörfern, den die jeweiligen Kinder mit einer speziellen Form der Erniedrigung anfachen: Den Unterlegenen im regelmäßig ausgetragenen Raufhandel werden sämtliche Knöpfe ihrer Kleidung abgeschnitten, wodurch die Buben auch zu Hause noch eine auf den Deckel kriegen.

Garniert ist dieses Geschehen u.a. mit Klassikern des französischen Chansons. So werden Joe Dassins „Les Champs-Élysées“ und „Paroles, paroles“ von Dalida/Alain Delon irgendwie in die Handlung eingebaut.

Kinder dominierten auf der Bühne und im Publikum der Volksoper

Gabriel (13), Jakob (11) und Nathan (9) saßen gebannt auf ihren Sitzerhöhungen, die fünf Viertelstunden wurden ihnen nicht zu lang. Und auch ich fand die Aufführung von Regisseurin Johanna Arrouas (die spontan für eine erkrankte Schauspielerin einsprang) charmant. Etwas störend fand ich, dass die an sich sehr gute Band oft leise weiterspielte, während die Kinder auf der Bühne – dann schwer verständlich – neue Pläne wälzten. Und ja – vielleicht würde dem Stoff („Die im Nachbardorf haben jetzt ein Telefon, wozu soll das denn gut sein?!“) eine behutsame Aktualisierung guttun.

Sylvain Vallée/Jacky Schwartzmann: „Habemus Bastard“ (Splitter 2025) ****

Eine Graphic Novel mit einem für mich langen Cliffhanger. Denn Band 1 („Das notwendige Übel“) bekam und las ich bereits zu meinem Geburtstag Ende September, nun Band 2 („Ein Herz unter einer Soutane“) zu Weihnachten.

Es geht um den Auftragsmörder Lucien, der nach einem Fehler um sein Leben fürchten muss und eine Soutane als Versteck wählt. Als Priester verkleidet taucht er in einem verschlafenen Nest im Jura unter – und feiert dort Liturgie und leistet Seelsorge, die seine Unbedarftheit in dieser Rolle deutlich machen, ihn aber nicht enttarnen. Vorerst. Denn sein Auftraggeber und eine mit diesem rivalisierende Bande sind Lucien auf der Spur.

Der Verlag wirbt für seinen „wendungsreichen, unbändig witzigen und herrlich respektlosen Zweiteiler, der von Sylvain Vallée, einem der beliebtesten Comic-Zeichner Frankreichs […] unnachahmlich charmant illustriert wird“. Und es stimmt. Der Plot liest sich gut, und die oft wie Filmszenen arrangierten Zeichnungen unterhalten bestens. Dass Gewalt und Sex prominent vorkommen, ist der Story geschuldet, die für einen Theologen wie mich eine reizvolle Hintergrundfolie bildet. Jedenfalls eine nette Ergänzung zu meiner inzwischen beachtlichen Graphic-Novel-Sammlung.

Hier die wie Filmszenen aneinander gereihten Ereignisse, die Luciens Flucht in einer priesterliche Tarnung auslösen.

Adventmail 2025/24 (Anfang/Ende)

Bei kaum einem Thema liegen Ende und (Neu-)Beginn so eng zusammen wie bei der christlichen Vorstellung von Auferstehung, ohne die laut Paulus der Glaube bloßer Humbug wäre. Ich liste heute 10 Fragen und Antworten rund um die Auferstehung auf und versuche dabei die Skepsis und den Agnostizismus heutiger Zeitgenoss:innen zu berücksichtigen:

  1. Ist die Auferstehung Jesu nicht einfach eine schöne Legende?
    Christ:innen glauben: Sie ist kein erfundener Mythos, sondern ein einmaliges Handeln Gottes in der Geschichte. Das leere Grab und Begegnungen mit dem Auferstandenen haben die ersten Jünger:innen so tief erschüttert, dass sie ihr Leben danach ausrichteten und sogar dafür hingaben.
  2. Kann man heute wirklich glauben, dass jemand von den Toten aufersteht?
    Aus naturwissenschaftlicher Sicht sicher nicht – aus Glaubenssicht ist für Gott nichts unmöglich. Die Auferstehung sprengt die Grenzen dessen, was Menschen aus eigener Kraft begreifen oder bewirken können.
  3. Vielleicht haben sich die Jünger:innen einfach geirrt oder etwas gesehen, das sie sehen wollten?
    Die Evangelien erzählen, dass die Jünger zunächst zweifelten und Angst hatten. Erst die wiederholte Erfahrung: „Er lebt“ – nicht als Geist, sondern wirklich – hat sie verändert. Diese Glaubenserfahrung wurde zum Ursprung der Kirche.
  4. Warum ist es so wichtig, dass Jesus auferstanden ist?
    Weil sonst alles beim Alten bliebe: Kreuzigung, Gewalt, Tod hätten das letzte Wort. Die Auferstehung bedeutet: Gott bestätigt Jesus und sein Leben der Liebe. Das Gute siegt – endgültig.
  5. Was heißt Auferstehung konkret – lebt Jesus jetzt irgendwo im Himmel?
    Nicht als Körper aus Fleisch und Blut, sondern in einer neuen, göttlichen Wirklichkeit. Christ:innen glauben: Er ist nicht verschwunden, sondern gegenwärtig – in seinem Geist, im Gebet, in der Gemeinschaft, in der Liebe.
  6. Und was hat das mit mir zu tun?
    Die Auferstehung Jesu ist ein Versprechen: Auch unser Leben ist nicht vergeblich. Gott will, dass wir leben, jetzt und über den Tod hinaus.
  7. Aber niemand ist von dort zurückgekommen, um das zu bestätigen...
    Stimmt. Außer Jesus, sagen Christ:innen. Der Glaube an ihn beruht nicht auf einem Beweis, sondern auf Vertrauen: auf die Glaubwürdigkeit seiner Botschaft und der Zeugen, die ihr Leben darauf gesetzt haben.
  8. Ist die Hoffnung auf Auferstehung nicht einfach eine Angst vor dem Nichts?
    Vielleicht. Aber Christen sehen darin mehr: die Ahnung, dass Leben einen tieferen Sinn hat. Der Glaube sagt, dass diese Sehnsucht nach Leben von Gott selbst kommt.
  9. Wie soll man sich ein „Leben nach dem Tod“ vorstellen?
    Nicht als Fortsetzung wie auf Erden. Die Bibel spricht von einem „verwandelten“ Leben bei Gott, frei von Leid, Schuld und Trennung – ein Dasein in Liebe und Licht.
  10. Warum sollte dieser Glaube heute noch relevant sein?
    Weil er Hoffnung gibt, die trägt – auch angesichts von Leid, Krieg oder Tod. Wer an Auferstehung glaubt, lebt mit der Überzeugung: Kein guter Gedanke, keine Liebe, kein Leben geht verloren.

Adventmail 2025/23 (Anfang/Ende)

Der Tod nahestehender Menschen ist ein Anstoß, sich mit dem eigenen Sterben zu beschäftigen. Oder sogar mit dem eigenen Begräbnis.

Ich finde es angemessen, ja notwendig, rechtzeitig Überlegungen dazu anzustellen – auch wenn ich als 66-Jähriger noch eine statistisch zu berechnende Lebenserwartung von 17,57 Jahren habe – also knapp 84 Jahre alt werde (so wie aktuell mein Vater). Und ich halte das keineswegs für ein Sakrileg oder gar die Gefahr, das Ende dadurch „heraufzubeschwören“. Denn der Tod gehört nun mal zum Leben, und mein Glaube an ein wie auch immer geartetes Weiterleben nach dem physischen Tod macht mich da recht gelassen (und sollte mit dem Tod alles aus sein, krieg ich’s eh nicht mehr mit).

Also: Wie wohl alle möchte ich gerne halbwegs schmerzfrei sterben, in einem geistigen Zustand, dass ich davor noch wichtige Dinge regeln und mich von den mir Liebsten verabschieden konnte. Etwas Sorge macht mir diesbezüglich meine Zugehörigkeit zur Baby-Boomer-Generation: So wie jetzt viele in Pension gehen/gingen, werden in 15, 20 Jahren viele sterben… was bedeutet das für das heute schon so überforderte Pflegesystem? Wird es genug Palliativplätze geben?

Ich denke, ich möchte, dass mein Leichnam verbrannt wird. Die Urne soll in einen Bestattungswald in Wien (https://www.baumbestattung-wien.at/ ) kommen, wo genau, ist mir nicht wichtig. Zur Beisetzung sollen alle kommen, die sich von mir verabschieden wollen, und wer möchte, soll am Grab ein paar Worte der Erinnerung sagen. Professionelle Grabredner:in braucht es keine:n. Und vielleicht hinterlasse ich ja selbst etwas zum Vorlesen, mal sehen. Davor soll es Musik geben, ich denke an „Silence“, ein Stück von Haden/Garbarek/Gismonti auf der CD „Magico“ sowie an „Gymnopédie Nr 1“ von Eric Satie, am liebsten live gespielt von Fabian). Ganz nett fände ich eine Diashow mit Bildern aus verschiedenen Lebensphasen. Beim Leichenschmaus soll es ein einfaches Mahl und gute Laune statt Trauerkloßstimmung geben. Denn ich bin ein humorvoller, lebenslustiger Mensch und finde, mein Leben ist jetzt schon lang genug, um als abgerundet gelten zu können.

Übrigens gestalte ich auch diese meine Website mit der Absicht, etwas zu hinterlassen für Menschen, denen ich etwas bedeute

Adventmail 2025/22 (Anfang/Ende)

Heute drei Witze über Anfang/Ende

Zwei Frauen sind gestorben und kommen vor dem Himmelstor ins Gespräch.
Frau 1: „Wie bist du gestorben?“
Frau 2: „Ich bin erfroren!“
Frau 1: „Wie ist das, zu erfrieren?“
Frau 2: „Am Anfang schüttelt es einen heftig, aber bald spürt man gar nichts mehr! Und wie bist du gestorben?“
Frau 1: „Ich kam nach Hause und sah, wie nervös mein Mann ist. Ich hatte gleich den Verdacht, dass er fremdgeht! Ich rannte ich in die Küche, sah aber nichts Verdächtiges, dann lief ich in den ersten Stock, in den Keller, und als ich dann erfolglos wieder nach oben rannte, bekam ich einen Herzinfarkt vom Rennen und starb!“
Frau 2: „Hättest du doch gleich in der Kühltruhe nachgeschaut, dann wären wir beide noch am Leben!!!“

*

„Papa, wie bin ich auf die Welt gekommen?“
„Na gut mein Sohn, irgendwann hätten wir dieses Gespräch ja führen müssen. Also: Der Papa hat die Mama in einem Cybercafé kennengelernt. Später haben sich der Papa und die Mama in einem Chatroom getroffen, die Mama hat ein paar Downloads von Papas Memorystick machen wollen. Als der Papa dann fertig für das Uploaden war, merkten wir plötzlich, dass wir keine Firewall installiert hatten. Leider war es schon zu spät, um Cancel oder Escape zu drücken und die Meldung ‚Wollen Sie wirklich uploaden?‘ hatten wir in den Optionen unter Einstellungen schon am Anfang gelöscht. Mamas Virenscanner war schon länger nicht upgedated und kannte sich mit Papas Blaster-Wurm nicht so recht aus. Wir drückten die Entertaste und Mama bekam die Meldung: ‚Geschätzte Downloadzeit 9 Monate.’“

*

Wie man „standesgemäß“ stirbt:

Der Gärtner beißt ins Gras.
Der Koch gibt den Löffel ab.
Den Elektriker trifft der Schlag.
Der Pfarrer segnet das Zeitliche.
Der Maurer kratzt ab.
Der Schaffner liegt in den letzten Zügen.
Der Agnostiker muss dran glauben.
Der Zahnarzt hinterlässt eine schmerzliche Lücke.
Der Gemüsehändler schaut sich die Radieschen von unten an.
Der Fechter springt über die Klinge.
Die Putzfrau kehrt nie wieder.
Der Anwalt steht vor dem jüngsten Gericht.
Der Autohändler kommt unter die Räder.
Der Kfz-Mechaniker schmiert ab.
Der Förster geht in die ewigen Jagdgründe ein.
Der Gynäkologe scheidet dahin.
Die Wäscherin verbleicht.
Der Rabbi geht über den Jordan.
Der Optiker schließt für immer die Augen.
Der Tenor hört die Englein singen.
Der Spanner ist weg vom Fenster.